Samstag, 15. Dezember 2018

Medien (II)

Katholiken demonstrieren nicht

Zugegeben, ich hatte etwas Anderes erwartet: demonstrierende Katholikinnen und Katholiken auf den Straßen Fuldas zum Beispiel. Die ihre Solidarität zeigen mit jenen mehr als 3.600 Kindern und Jugendlichen, die aktenkundig von Klerikern missbraucht wurden. Die  dagegen protestieren, wie die Hierarchen mit den Betroffenen umgingen. Die einfach sagen: Wir fügen uns diesem System nicht mehr. Doch es kamen keine 3.600 Protestierenden zusammen, auch keine 360 und keine 36. Es blieb still auf den Straßen Fuldas. Und es blieb still bei der lange erwarteten Pressekonferenz, auf der eine Studie zum Ausmaß des Missbrauchs präsentiert wurde.

Deutschlandfunk, 25. September 2018

Akkordarbeit für Kinder

Knapp 700 Heime gab es in der DDR, davon rund 170 Spezialheime und 38 Jugendwerkhöfe. Nur wenig weiß man über die Durchgangsheime. Formal dienten sie als Station, bis ein geeignetes Heim gefunden war. Insassen berichten von rechtlichen Grauzonen. Der Umgang war rau, Strafen drastisch. Oft wurde die Schulpflicht nicht eingehalten. Selbst Kinder mussten im Akkord arbeiten.

Thüringer Allgemeine, 12. Oktober 2018

Und die Jugendämter schauten zu

Schwere körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt war demnach in vielen Einrichtungen an der Tagesordnung. „Vieles war bekannt“, sagte Nora Wohlfarth vom Projektteam. In fast jeder dritten gesichteten Aufsichtsakte fanden sich klare Hinweise auf Missstände. In Honau etwa bekamen die Zöglinge nichts zu trinken, damit sie nicht ins Bett machten. In der Not tranken sie ihren eigenen Urin. In Lahr wurden Kinder „wie Tiere behandelt“. In Waiblingen wurden Zöglinge „zur Strafe in eiskaltes Wasser getaucht“, in Lichtenstein klebte man Kindern den Mund zu. Das war aktenkundig. Und der Staat schaute zu.

Stuttgarter Zeitung, 17. Oktober 2018


Jugendamt Hannover stimmt stets zu

Erstmals hat das Land Details über Arzneimittelversuche an Kindern im ehemaligen Landeskrankenhaus Wunstorf vorgelegt. Den Kindern sei Unrecht widerfahren, die Verantwortlichen hätten weggeschaut, urteilte eine Abteilungsleiterin des Sozialministeriums am Mittwoch bei einem Symposium zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort wurden Zwischenergebnisse einer Studie zu den Vorfällen präsentiert. Demnach habe das Jugendamt Hannover damals pauschal in fragwürdige Untersuchungsmethoden eingewilligt, während andere Jugendämter sich geweigert hätten.

NDR, 8. November 2018



Bischof will Jungen nackt sehen
Gegen den ehemaligen und längst gestorbenen Hildesheimer
Bischof Heinrich Maria Janssen gibt es einen neuen
Missbrauchsvorwurf.

Ein ehemaliger Bewohner eines kirchlichen Kinderheims
in Hildesheim habe sich dem Bistum anvertraut und
dem Bischof Missbrauch vorgeworfen, teilte das
Bistum am Dienstag mit. Außerdem habe er ihn
Ende der 50er Jahre aufgefordert, sich nackt vor
ihm auszuziehen.


Neue Osnabrücker Zeitung, 13. November 2018

Ombudsstelle für Heimopfer

Unzählige Kinder haben in baden-
württembergischen Heimen jahrzehntelang 
Missbrauch und Gewalt erlebt. Weil die 
Bundesfinanzierung zur Aufarbeitung jetzt 
ausläuft, richtet das Land eine Ombudsstelle ein.

Das Sozialministerium hat am Montag den 
Abschlussbericht zur Aufarbeitung der Gewalt-
 und Missbrauchstaten in Kinderheimen 
 veröffentlicht. Die Studie, die bereits  
im Oktober vorgestellt wurde, wertet die  
 Berichte von Betroffenen aus, die der 
Anlauf- und Beratungsstelle "Heimerziehung 
 1949 bis 1975 Baden-Württemberg" mitgeteilt 
 worden waren. Bei der Beratungsstelle 
hatten sich seit 2012 mehr als 2.400 
ehemalige Heimkinder gemeldet, um von 
ihren Erfahrungen zu berichten. Bei der 
Vorstellung des Abschlussberichts dieses - 
so das Sozialministerium - "dunklen 
Kapitels der Heimerziehung im Land" 
nahmen auch zahlreiche Betroffene teil.

SWR, 26. November 2018

Wie Heimkinder ihre Stimme fanden

Anfang 2003 meldet sich eine Frau in der 
Redaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel
Die Frau möchte mit dem Journalisten Peter 
Wensierski sprechen, der nur wenige Wochen zuvor 
einen Film rezensiert hat, in dem es um das 
Schicksal ehemaliger Heimkinder in Irland geht. 
Die Frau erzählt Wensierski nun, dass ihr dasselbe 
passiert sei - in Deutschland, in der jungen 
Bundesrepublik der Fünfziger- und Sechszigerjahre.

Süddeutsche Zeitung, 27. November 2018

Wenn das Jugendamt Eltern nicht glaubt

Von einer Behinderteneinrichtung weiß er, dass 
da durchaus Fälle immer wieder dokumentiert 
wurden. Freilich mit einem „speziellen 
Sprachgebrauch“. Code-Wörter für das, was nicht 
sein durfte. Setzt sich das bei den Jugendämtern 
fort, fragt Bauer. Zu oft habe es ja in der 
Vergangenheit geheißen, meist von Eltern: 
„Das Jugendamt hat uns nicht geglaubt.“

Waiblinger Kreiszeitung, 10. Dezember 2018


Mehr als 30 Millionen Euro gezahlt

3300 Männer und Frauen aus Mecklenburg-
Vorpommern haben für erlittenes Leid und 
Unrecht in DDR-Kinderheimen Unterstützung 
aus dem Fonds Heimerziehung erhalten. Es 
seien mehr als 30 Millionen Euro gezahlt worden, 
teilten die Landesbeauftragte für die Stasi-
Unterlagen, Anne Drescher, und Sozialministerin 
Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin mit. 
Maximal seien es 10 000 Euro pro Person gewesen. 
Hinzu kämen 4,6 Millionen Euro Rentenersatzleistungen 
für Arbeiten in manchen Heimen, die für den 
Rentenverlauf nicht anerkannt wurden. „Mit den 
Zahlungen ist erlittenes Unrecht nicht 
wiedergutzumachen“, sagte Drese.

Ostsee-Zeitung, 11. Dezember 2018

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