Montag, 20. Mai 2019

Medien (III)

72 Millionen für Heimkinder aus Berlin
Die Senatsverwaltung für Jugend hat am Mittwoch eine Bilanz zu den am 31. Dezember geschlossenen Entschädigungsfonds für frühere Heimkinder vorgelegt. Insgesamt 72 Millionen Euro sind demnach  an mehr als 5700 ehemalige Berliner Heimkinder geflossen, die fragwürdige Erziehungsmethoden, Zwang und Gewalt erlitten haben und  in der DDR auch  in gefängnisähnlichen Einrichtungen eingesperrt waren. Im Schnitt wurden pro Person 9800 Euro für materielle Hilfen und 7000 Euro für Rentenersatzleistungen bezahlt. Die Antragsfristen für Fondsleistungen endeten 2014.
Tagesspiegel, 9. Januar 2019

Walter, ein Scheidungskind, hatte die Zustände im Heim, vor allem die Übergriffe einer Nonne, seiner Mutter geschildert. Die hatte sich im April 1966 schriftlich an die Stadt gewandt. Das dreiseitige, umstrittene Antwortschreiben vom 4. Mai 1966 verfasste der damalige Oberstadtdirektor Heinz Mohnen persönlich.
Köln von der Vergangenheit eingeholt
Ein bis heute nachhallender, zentraler Satz des Schreibens, in dem Mohnen die Vorwürfe nahezu kategorisch zurückweist und den Spieß umdreht, lautet: „Unter diesen Umständen dürften Ihre Anschuldigungen ausschließlich auf Mißverständnissen bzw. entstellenden Darstellungen Ihrer Kinder beruhen, denen - abgesehen davon, daß der Wert von Kinderaussagen grundsätzlich sehr zweifelhaft ist - (...) die Einsicht in das aus erzieherischen Gründen Erforderliche fehlt.“

Express Köln, 7. Februar 2019

Kinder aus Husum klagen an

Der frühere Leiter einer Einrichtung in Husum soll schwerste Misshandlungen verübt haben – über seinen Anwalt lässt er alle Vorwürfe bestreiten.

Husumer Nachrichten, 13. Februar 2019

Autoritäres Weltbild

Roland Stäb sitzt an einem Tisch mit grüner Decke in seinem Haus in Neckargröningen. Seit einem Jahr hat der 65-Jährige die Leitung des Jugendamtes im Kreis abgegeben. Die Berichte ehemaliger Heimkinder über Misshandlungen, Gewalt und Lieblosigkeit in dem 1992 geschlossenen Hohenecker Heim St. Josef hat er mit Erschrecken gelesen. Das autoritäre Weltbild, das Regelkorsett und die Züchtigung als Mittel der Erziehung widerspricht so ziemlich allem, was Stäb in seinem Studium gelernt hat.

Stuttgarter Zeitung, 7. April 2019

"Das ist meine Kindheit"

Gütersloh. „Das hier ist meine ganze Kindheit", sagt Roger Warnken und hält einen weißen Din A4-Umschlag in den Händen. Darin eine Geburtsurkunde, ein Adoptionsnachweis und eine handvoll Fotos aus Kindertagen – herausgetrennt aus einem Fotoalbum. „Sie wurden mir irgendwann kommentarlos zugeschickt", sagt er.

Neue Westfälische, 21. April 2019

Jahrzehntelang seelische Grausamkeit

Ehemalige Heimkinder eines früheren Kinderheims in Ludwigsburg-Hoheneck haben bestätigt, dass sie jahrzehntelang ständiger Gewalt und seelischer Grausamkeit ausgesetzt worden sind.

SWR, 15. Mai 2019

Kritik an katholischen Bischöfen

Der Leiter der Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, Dreßing, hat die Aufarbeitungsbemühungen der deutschen Bischöfe kritisiert. Man könne bisher keine gemeinsame Strategie erkennen, weitere Forschungsarbeiten in Gang zu setzen.

Das sagte Dreßing der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Eine Priorisierung von Zielen zur Verhinderung von Missbrauch finde nicht statt. Stattdessen gebe es immer wieder neue Gesprächskreise und Workshops. Der Schritt, mit dem eine Aufarbeitung beginnen könnte, wäre eine überregionale Untersuchung, an der Betroffene, Wissenschaftler, Vertreter der Kirche und der Zivilgesellschaft beteiligt sein sollten.
Deutschlandradio, 19. Mai 2019
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Anzeige„Geld und Sachleistungen können das Unrecht und Leid nicht ungeschehen machen, das ehemaligen Heimkindern zugefügt wurde. Die Zuwendungen aus den Fonds können allenfalls zur Verbesserung ihrer heutigen Lebenssituation beitragen“, betonte Jugend-Staatssekretärin Sigrid Klebba (SPD). Das Ende der Fonds bedeute nicht das Ende der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Heimerziehung.

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